Astrid Lindgrens Engagement ist humanistisch und basiert auf dem Mitgefühl für Schwächere und einem starken Pathos für alles Lebende. Eine grundlegende Haltung, die sich wie ein roter Faden durch alle ihre Bücher zieht.

Astrid Lindgren hielt sich mit wenigen Ausnahmen aus den öffentlichen gesellschaftlichen Diskussionen heraus, bis sie, fast siebzig Jahre alt, mit der Faust auf den Tisch schlug und als Diskussionsteilnehmerin hervortrat.

Astrid Lindgrens Engagement geht eher von Gefühlen als von Analysen aus. Viele Male ist sie in Kollision mit jenen geraten, mit denen sie im Grunde sympathisierte, und auf dieselbe Weise hat sie "Freunde" gefunden, die sie eigentlich nicht haben wollte.

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Heute wissen viele Politiker, dass Astrid Lindgren ein Vertrauenskapital und eine kaum zu übertreffende meinungsbildende Macht hatte. Finanzminister Gunnar Sträng musste diese Kraft in den Siebzigerjahren bitter erfahren, als er sich entschied, sich im Pomperipossa-Konflikt taub zu stellen.

Astrids Durchbruch brachte es mit sich, dass sie nach ihrem Debüt als Diskussionsteilnehmerin in Gesellschaftsfragen ständig gebeten wurde, verschiedenen Sachfragen Glanz zu verleihen. Die meisten Anfrager wurden abgewiesen. Mit dem Vorrecht des Alters und der Priorität. Aber für z.B. von der Schließung bedrohte Bibliotheken hat sie viele Male das Wort ergriffen, sie "fuhr in die Vororte und drohte mit ihrer berühmten Faust. Sie drohte damit, bei geizigen Kommunalpolitikern zu spuken, wenn sie auch nur eine einzige Bibliothek schlössen."(*)

(*)Zitat aus: "Astrid Lindgren - Ein Lebensbild" von Margareta Strömstedt

Pomperipossa

Astrids Karriere als Meinungsmacherin begann mit Pomperipossa.

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Die Tierschutzkampagne

Astrid Lindgren, Anfang des letzten Jahrhunderts als Bauerntochter in der småländischen Provinz aufgewachsen, hat gesehen, wie Schweden akzelierte. Vom Bienen summenden Bauernland, das viele ihrer Bücher besiedelte, bis hin zur postindustriellen Großbetriebsgesellschaft, in der wir heute leben.

Früher hatten Tiere Namen und ihre Eigenarten. Wiesen und Weideland charakterisierten das Land. Jetzt sind die Tiere Produktionseinheiten. Und die Landschaft ist sich selbst überlassen, auf dem besten Weg, von Gestrüpp und Tannenwald überwuchert zu werden.

1985 schrieb Astrid Lindgren in der Zeitung Dagens Nyheter einen Artikel über u.a. Wiesen. "Kühe und Wiesen brauchen einander"

Auf diesen Artikel bekam Astrid Lindgren viel Resonanz. Eine von denen, die sich meldeten, war die Veterinärmedizinerin Kristina Forslund, Dozentin der Tierärztlichen Hochschule Stockholm. Sie hatte eine Menge zur Tierhaltung zu sagen. Die beiden fanden einander und veröffentlichten in den Jahren 1985-88 in der Zeitung Expressen eine Reihe Artikel über den Tierschutz in Schweden.

Der Staatsminister, zu der Zeit Ingvar Carlsson, antwortete umgehend - weise geworden durch die Fehler seiner Kollegen in den Siebzigerjahren. Weise auch, weil ihm Astrid Lindgrens meinungsbildende Macht bewusst war. Er hörte zu und schenkte Astrid Lindgren ein Tierschutzgesetz zum 80. Geburtstag.

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Über das Recht der Kinder

Astrid Lindgren hat sich ihr Leben lang die Fähigkeit erhalten, die Welt aus der Perspektive der Kinder zu sehen. Vielleicht ist das ein Grund, warum sie so intensiv auf Gewalt und Übergriffe gegen Kinder reagiert. Einfühlungsvermögen bringt vielleicht eine besondere Hellhörigkeit für die Konsequenzen von Übergriffen mit sich.

Astrid Lindgren ist die Botschafterin der Kinder in der Welt der Erwachsenen - niemand kann wie sie die Heiligkeit der Kindheit verteidigen - mit Spielen, Toben, Magie und unzerstörter Natur.

Bevor sie 70 wurde, hat Astrid sich nicht oft zu öffentlichen Debatten geäußert. Aber einmal platzte ihr der Kragen. Es ging um Kinder und Erziehung. Es war das Jahr 1946, als die Wogen hochgingen um Pippi Langstrumpf.

Liebe und noch mehr Liebe, lies Astrids Beitrag

Der Konflikt um die Rede "Niemals Gewalt!"

Zum Dank für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels schreibt Astrid die Rede "Niemals Gewalt!", die sie bei der Entgegennahme des Preises halten will. Da es sich um einen Friedenspreis handelt, bietet sich das Thema ganz von selbst an - Frieden und der Mangel an Frieden auf der Welt. Astrid sucht nach der Antwort und meint, sie müsse bis in die Ursprünge zurückgehen, damit anfangen, wie die Kinder - die dann die Kriegsführer werden - in ihrer Kindheit behandelt werden.

Offenbar ist sie auf empfindliche Zehen getreten. Die Rede muss gemäss der Regeln im Vorhinein von den Veranstaltern
geprüft werden - und nachdem sie die Rede gelesen haben, schlagen sie Astrid vor, den Preis einfach entgegenzunehmen, ohne Rede. Astrid antwortet, wenn man den Preis nun schon einmal einer Kinderbuchautorin zuerkannt hat, muss man auch akzeptieren, dass sie ihre Rede im Kinderzimmer beginnt, sonst werde sie davon Abstand nehmen, zu kommen.

Angesichts dieser Drohung wird Astrid gebeten, sich zu der feierlichen Zeremonie einzufinden - und ihre Rede zu halten.

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Flüchtlingsfragen

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